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Hannah Ben – wenn Plagiatoren Leser für dumm halten …

… dann nehmen sie sich einen Kult-Manga nach dem anderen vor und verwursten ihn zu einem illegalen Roman. Womit diese kriminellen Elemente allerdings nicht rechnen – auch Manga-Fans lesen eBooks. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis bei SchreibFair die erste Hinweise auf ein mögliches Plagiat eingingen.
Hannah N. Heitmeyer (Alias Hannah Ben) änderte schnell das Cover des eBooks und variierte den Titel  – "Adrian & Florian, Die Jungs von nebenan" – was im Hinblick auf den im Raum stehenden Verdacht, ein weiteres Indiz in Richtung eines möglichen Plagiats war.
Und mit dieser Meldung auf meiner Facebook-Autoren-Seite wurde am 7. Februar das erste bestätigte Manga-Plagiat bekannt:

Das folgende ist das Ergebnis guter Recherche, die einige engagierte Mitmenschen in den vergangenen Tagen geleistet haben.
Die "Autorin" steht übrigens, unter dem Pseudonym Hannah Ben, bei Carlsen unter Vertrag. Pikanterweise ist die Vorlage genau bei diesem Verlag als Manga erschienen.
Und nur für die Akten: Hannah Ben ist Amazon-All Star-Autorin.



"Erwiesenes Plagiat. "Boys next door" von Hannah N. Heitmeyer
Nach Vergleich mit Textstellen und Abläufen, Szenen des Mangas "Boy's next door" von Kaori Yuki, wurden derart viele wortwörtliche Übereinstimmungen gefunden, dass wir von einem Plagiat ausgehen. Der Verlag wurde informiert. (…)"

Der Verlag, in diesem Fall Carlsen, reagierte prompt und postete folgendes Statement in der Impress-Gruppe:
"Da wir es vom Verlag aus nicht vertreten können, eine Autorin zu publizieren, welche die Werke anderer Autoren plagiiert (ob die unseren oder andere), lösen wir den Vertrag zu Hannah Bens Impress-Reihe auf und distanzieren uns entschieden von der Autorin." (Zur Erklärung, Impress ist eine eBook-Reihe von Carlsen)

Diverse Medien berichteten daraufhin über den zweiten spektakulären Plagiatsfall im Self Publsishing – u.a. auch FAZnet.



Allerdings war mit der Aufdeckung des Plagiats der Fall "Hannah Ben" noch längst nicht beendet. Weitere Manga-Fans meldeten sich und gaben weitere Hinweise und so konnte bereits eine Woche später folgende Meldung veröffentlicht werden:

Amazon-All-Star-Autorin Hannah Ben, die bereits letzte Woche wegen eines Plagiats ihres Carlsen-Vertrags verlustig ging, ist allem Anschein nach eine Serien-Plagiatorin. 
Ihr derzeitiger Amazon Bestseller "Annika & Marko – 7 Tage" ist eine "Novelization" des Mangas "Seven Days" , dass auf Deutsch im Tokyopop-Verlag erschienen ist.
Der Verlag wurde informiert und ihm wurde das Ergebnis der Recherche übermittelt.



Wie man unschwer erkennen kann, prangt ein All Star bei diesem Buch – wie auch bei allen anderen Titeln von Hannah Ben. Dies ist bereits der zweite All Star in diesem Jahr für eine überführte Plagiatorin!
Der All Star ist eine Bonuszahlung, die Amazon jeden Monat an besonders erfolgreiche Autoren ausschüttet.

Noch mehr Hinweise zu weiteren Büchern folgten. Wobei bei zwei Titeln nur eine "Inspiration" vorzuliegen scheint. Hier sollten dann die Verlage nach Sachlage entscheiden. Ein dritter Titel wurde bereits letzte Woche an den Egmont Verlag gemeldet und dort an die Verlagsanwälte übergeben.
Mit dem Ergebnis, dass "George und Joshua: Der Weg der Hoffnung" heute aus dem Verkauf genommen wurde.
Was mich persönlich erschüttert ist die Abgebrühtheit Hannah Bens, die nach einem belegten Plagiat ihre anderen Titel eiskalt im Verkauf ließ und erst, nachdem sie dazu aufgefordert wurde, ein weiteres Plagiat entfernte.
Annika & Marko – 7 Tage sind weiterhin erhältlich und klettern munter im Ranking nach oben.


Hier nun einige Beispiele, die zum Nachweis des Plagiates von George und Joshua führten – das Original stammt übrigens von Chigusa Kawai und heißt La Esperanza.


© Manga - Egmont Verlag - Textbeispiel: Amazon-Kindle

©Manga - Egmont Verlag - Textbeispiel Amazon-Kindle

©Manga – Egmont Verlag - Textbeispiel: Amazon-Kindle
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Kommentare

Charlotte Lyne hat gesagt…
Ich finde das so schrecklich traurig. Mein Roman erscheint gerade - ich habe auf dieses eine Buch bald dreissig Jahre gewartet. Wenn jemand es langweilig, dümmlich, zu düster, zu brutal, zu kitschig, zu weiss-ich-was findet, kann ich damit prima leben und freu mich darauf, zu erleben, wie mein Buch irgendwo landet. MEIN Buch. Aber wenn jemand mich einfach beiseite schiebt, als hätte ich mit diesem aus mir herausgeschälten Buch nichts zu tun, und behauptet, es wäre SEINS? Ich mag mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie verzweifelt ich wäre. Das ist, als nähme mir einer einen Teil meiner Identität einfach weg. Etwas, das so sehr zu mir gehört wie meine Art, zu gehen, zu sprechen, zu atmen. Die, die unsere Bücher stehlen - denken die keine Sekunde lang daran, wie gigantisch das ist, was sie uns stehlen, wie unersetzlich und wie unverzichtbar?

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