Direkt zum Hauptbereich

Ist "fair" wirklich "fair"? Neu bei KDP KU/KOLL

Seit drei Tagen greift die neue Berechnung bei Ausleihen. Ab 1. Juli bezahlt Amazon nach gelesenen Seiten und nicht mehr pauschal pro geliehenen Titel.
Die meisten Self Pubisher scheinen nun der Ansicht zu sein, dass Amazon jetzt endlich fair aus dem großen Kindle-Select-Topf auszahlt.

Aber ist das wirklich so? Ich denke nicht.

Hier sind meine Gedanken und Kritikpunkte:

Es fehlen Zahlen darüber, wie oft ein Titel ausgeliehen wird. Die Angabe der gelesenen Seiten sagt überhaupt nichts aus – außer dass gelesen wurde.
Aber haben 10.000 Leser jeweils eine Seite gelesen, oder haben 100 Leser den kompletten Roman gelesen? Das weiß nur Amazon.
Die Autoren, die diese Zahlen brauchen, tappen im Dunklen.
Jeder guter Kaufmann kennt seinen Lager- und Warenbestand und kann auf einen Blick sagen, dass Artikel XY 50 x verkauft wurde.
Self Publisher, die diese Zahlen benötigen, um z.B. zu planen, ob sie Werbeaktion machen sollten, bekommen diese wichtige Information nicht.

Autoren, die "dicke Schinken" schreiben, sahen sich durch das alte System benachteiligt. Aber wissen sie denn, ob ihre Bücher auch tatsächlich von vorne bis hinten gelesen werden? Nein, s.o.
Ich wage sogar zu behaupten, dass die Chancen eher nicht so hoch sind. Nicht jeder Self Publisher schreibt Pageturner. Dass eher schmalbrüstige Genre-Literatur komplett gelesen wird, ist in meinen Augen viel wahrscheinlicher.

Klar benachteiligt sind Sachbuchautoren, die Bücher sind in der Regel dünner und werden auch nicht von vorne bis hinten gelesen.
Ebenfalls benachteiligt, die Autoren kürzerer Texte. Da i.d.R. die Preise für dünne Storybände etc. unter 2,99 liegen, bekommen sie nur 35% Tantiemen für pro Verkauf. Der Anteil aus dem Select-Fond war eine kleine Kompensation für die schlechteren Tantiemen. Dies fällt jetzt weg.

Was ist mit dem Ranking? Wann fließt ein geliehener Titel ins Ranking – wenn er runtergeladen wurde, wenn er angelesen wurde, oder erst wenn er fertig gelesen wurde? Die Antwort kennt nur Amazon

Seit dem 1.7. ist zu lesen, dass etliche Autoren stark im Ranking gefallen sind. Könnte das daran liegen, dass Amazon die tatsächlich gelesenen Seiten überhaupt nicht kennt?
Ich bin mit meinem Reader nur mit Amazon verbunden, wenn ich ein neues eBook runterlade.
Es könnten also zigtausende Seiten bereits gelesen sein, aber da die User nicht online waren, fließen sie nicht in die Berechnung rein.
Und wenn die gelesenen Seiten tatsächlich Einfluss auf das Ranking haben, werden dadurch Titel regelrecht plattgemacht, da plötzlich die Ausleihen fehlen.

Dies bedeutet auch, der Autor erfährt es Wochen später, ob er einen Bestseller oder einen Flop geschrieben hat. Bis dahin dürften die meisten Bücher auch massiv im Ranking gefallen sein. Und ob jetzt noch ein paar Seiten gutgeschrieben wurden, oder in China ein Sack Reis umfällt …

Mit dem neuen System fällt ein entscheidender Vorteil, den Self Publisher gegenüber Verlagen hatten: schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
Auch werden Autoren bevorteilt, die nicht mit ihren Titeln in der Amazon-Ausleihe sind, denn sie sehen ja ihre Zahlen in Echtzeit.

Ob dieses neue System nun fair ist, das muss jeder Self Publisher für sich selbst entscheiden.
Ich hoffe jedoch sehr, dass Amazon hier noch nachbessert und vor allen Dingen, die fraglichen Punkte klar kommuniziert.
So wie es jetzt ist, wächst der Frust und immer mehr Self Pubslisher werden die Möglichkeit nutzen, vorzeitig bei Selcect zu kündigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so gewollt ist.

Nachtrag: Zum Thema Ranking heißt es jetzt des Öfteren, es seien in der Vergangenheit ja auch die Bücher erst ins Ranking eingeflossen, nachdem die 10% gelesen worden waren.
Hierzu möchte auf "Erkenntnis 5" in dem verlinkten Beitrag verweisen der Self Publisher Bibel verweisen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Coffee-to-Klau – und noch ein Rätsel wurde gelöst

Der Monat ist noch nicht rum und schon wieder gibt es Unerfreuliches über die Serien-Plagiatorin Katja Piel zu berichten. Im Februar hatte ich über das wundersame Verschwinden mehrerer eBooks und Taschenbücher der ehemals sehr erfolgreichen Self Publisherin berichtet. Unter anderem wurde damals ihre komplette "Coffe-to-Go"-Reihe gelöscht. 
Ein weiterer Titel "Keine Zeit für die Liebe" wurde vor drei Wochen als Plagiat bewiesen. Bereits damals zeichnete sich ab, dass es nicht bei den bisher entdeckten drei Büchern bleiben würde. 
Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, zusammen mit ihrem neuen Titel "Cocktail-to-Go" tauchten vor rund vier Wochen auch die "Coffee"-Bücher wieder auf. Diese Auferstehung haben wir (A-Hörnchen, B-Hörnchen und C-Hörnchen) uns etwas genauer angesehen. 
Eher willkürlich nahmen wir uns "Aufschlag für die Liebe" vor und hatten relativ schnell einen Treffer bei Piels üblicher Quelle, einem Denise-Heftroman: Band 87 -…

… vom großen Jammern und von Fakten – eBook-Piraterie

Seit zwei Tagen macht auf Facebook ein "Kettenbrief" die Runde, in dem in sehr emotionalen Worten an die Leser appelliert wird, keine eBooks von illegalen Seiten downzuloaden.  Es wird behauptet, dass immer mehr Autoren aufgeben würden.  Ob das stimmt mag ich nicht beurteilen. Ich frage mich allerdings, warum man etwas kampflos aufgeben sollte, dass einen als Menschen prägt und das einen großen Raum im Leben einnimmt. Ich bin Autorin und ich bleibe Autorin. So etwas legt man nicht einfach ab und macht stattdessen: "Mimimi, jemand hat mein Buch geklaut, jetzt höre ich auf zu schreiben".  Man kämpft für das, was man liebt und zieht nicht den Schwanz ein.

Zum Nutzen dieser gut gemeinten Appelle möchte ich an dieser Stelle nichts sagen. Der Hohn und Spott, der Autoren in den Foren entgegen schallt, die sich dort äußern, spricht für sich. "Bestenfalls" führen solche Äußerungen zu einem Feature auf der Startseite des jeweiligen Portals und zu massiv erhöhten Downlo…

Self Publishing und die (Umsatz & US-)Steuer

Vor einiger Zeit hatte ich bereits einen kleinen Beitrag zum Thema Self Publishing und Steuerngepostet. In dem Blogpost ging es allerdings nur um Einkommenssteuer. Da es aber auch SP gibt, die umsatzsteuerpflichtig sind, kommen hier einige Ergänzungen und nützliche Links, die Wolma Krefting dankenswerterweise zusammengetragen hat. Mein Dank geht an dieser Stelle auch an meinen Steuerberater, den ich zu den Zahlungen von Create Space befragt habe. 
Vorab gibt es von mir einige Zeilen zum Verkauf von eBooks und TB außerhalb Europas. Alles, was z. B. über amazon.com verkauft wird, unterliegt in den USA der Einkommenssteuer. Dies trifft auch zu, wenn Ihr Eure Create-Space-Bücher nicht nur über Amazon-Europe verkauft. Und sofern Ihr keine US-Steuernummer (ITIN oder EIN) habt, behalten Amazon, CS oder auch iBooks automatisch 30 % Steuern ein. Auf diesemBlog könnt Ihr genau nachlesen, wie Ihr vorgehen müsst, um eine US-Steuernummer zu bekommen. Unbedingt auch die Kommentare lesen! Wenn es u…