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whatchareadin - die neue social reading Plattform

Kürzlich sah ich auf Facebook den Link zu einer neuen Social Reading-Plattform, die vor einigen Wochen an den Start gegangen ist. Verlinkt hatte Sascha Bulazel, der bei whatchareadin einer der Beta-Tester war.
Da ich auf diesem Blog gerne einen neuen Ton mittels Gastblogs reinbringe, bat ich Sascha um ein kurzes Interview mit Helmut Pöll, dem Entwickler und Betreiber von whatchareadin.de. Hier ist es, inklusive einiger kleiner Ergänzungsfragen meinerseits:

Hallo Helmut, ich war ja bereits in der Startphase von »whatchareadin« Betatester und kenne die Community – aber könntest Du den Zweck der Plattform bitte für alle Leser kurz erklären?

HP: Genau Sascha, Du warst ja schon Betatester. Vielen Dank dafür nochmal. Ihr habt mir wirklich noch viele wichtige Tipps vor dem Start gegeben. Selber ist man ja immer ein wenig betriebsblind, weil alles immer selbsterklärend ist.
Grundsätzlich wollte ich eine Plattform, auf der alle zusammenkommen, die gerne lesen und mit Büchern zu tun haben. D.h. alle Altersgruppen, alle Lesevorlieben.
Ich hoffe dass aus dieser Vielfalt der Buch-Erfahrungen eine so interessante Mischung entsteht, dass man für sich selber als Leser auch einmal Ansichten zu einem Buch hört, die man so vielleicht sonst nicht hören würde und auch ganz neue Bücher findet, die sonst vielleicht unentdeckt geblieben wären. Ich habe durch die Tipps der anderen selber schon einige Bücher gefunden, die ich sonst vielleicht nie entdeckt hätte. Jetzt im Urlaub lese ich gerade eins.
Dir wird ja nicht zum ersten Mal die Frage nach dem »Warum noch eine Büchercommunity« gestellt – in welchem gravierenden Punkt unterscheidet sich »whatchareadin« von den bereits etablierten Communities, bzw. was strebst Du als Alleinstellungsmerkmal an?

HP: Mich hatte immer gestört, dass die namhaften Plattformen alle Konzernen gehören. Deshalb habe ich jetzt selbst eine gebaut, auf der alle Stimmen Gehör finden sollen, hauptsächlich Leser, aber auch Indie-Autoren, Blogger und kleine Verlage.
Natürlich gibt es viele Lese-Communities. Aber es gibt nicht viele Lese-Communities mit persönlichem Buchregal, einer Buchdatenbank, einer Facebook-ähnlichen Bedienung, einem fein konfigurierbaren Benachrichtigungssystem und einem multimedialen Mobile-First-Ansatz, der für den schnellen Chat unterwegs optimiert ist. Da geht die Reise aber hin, weg vom Desktop, hin zu mobilen Geräten.



Ich sehe, dass Du ständig Neuzugänge hast – wie viele Mitglieder zählt die Community denn eigentlich zum aktuellen Zeitpunkt? Und wie sieht es mit der Verteilung zwischen Lesern, Autoren und Verlagen aus?

HP: Ja, das ist toll. Jeder Forenbetreiber fürchtet sich ja vor dem Tag danach, dem Tag nach der Eröffnung, wenn nach den ersten Anmeldungen keine neuen User mehr kommen. Das ist auf WR Gott sei dank nicht so. Aktuell sind es 275 registrierte User, hautsächlich Leser, ein gutes Dutzend Autoren und 7 Verlage. Und täglich kommen neue interessante Leser dazu. Mit dem ersten Verlag, der Edition Dia, gibt es jetzt eine Kooperation, die so aussieht, dass sie E-Books auf WR verlosen und dafür eben für Leser wieder sichtbar werden. Mit einigen anderen Verlagen bin ich im Gespräch.

So eine Plattform »lebt« ja insbesondere durch die aktiv teilnehmenden Leser. Wie werden diese auf »whatchareadin« unterstützt, welche Vorteile können sie genießen und was dürfen sie erwarten?

HP: In der ersten Woche haben die aktivsten drei Forenposter einen Buchgutschein von mir bekommen. Solche Aktionen wird es wieder geben. Denkbar ist auch, dass als Dankeschön einige Buchverlosungen den aktiveren Usern vorbehalten sind. Da sind viele Modelle denkbar.

Und wie sieht es mit den Autoren und Verlagen aus? Welchen Nutzen kann z.B. ein Selfpublisher aus der Community ziehen?

Myra: Für die Leser meines Blogs keine unwichtige Frage: wie können Self Publisher mitmachen? Gibt es besondere „Aufnahmekriterien“? Und wie sieht es z.B. mit dem Abhalten von Leserunden aus?

HP: Selfpublisher können jetzt schon Buchverlosungen und Preisaktionen durchführen. Leserunden veranstalten können sie natürlich auch. Das Wichtigste finde ich aber die eigene Autorengruppe, in der sie mit ihren Lesern diskutieren können und die u.a. Umständen technisch dann mehr kann als ein nicht selbst gehosteter Blog.
Aufnahmekriterien gibt es nicht. Es gibt nur zwei Einschränkungen: keine Eigenwerbung in den Diskussionsforen und kein Ü18 Content.

Myra: Für Self Publisher und Kleinverlage sicher nicht uninteressant – kostet die Teilname, wenn ja, wie viel?

HP: Die Teilnahme ist kostenlos. Die Plattform finanziert sich durch Affiliate-Programme mit Amazon, Audible und Google und später durch Bannerwerbung.


Ein Problem vieler Plattformen ist ja, die nötige Bekanntheit zu erlangen. Wie ich sehe, machst Du Werbung bei Facebook und Twitter – aber nutzt Du auch andere Kanäle?

HP: Ja, ich habe grosse Portale angeschrieben wie das Literaturcafe oder die e-book-news. Darüber kamen viele Leute. Auch ein Artikel in der selfpublisherbibel hat viel gebracht.

Was mich ein wenig überrascht, ist die standardmäßige Verknüpfung der Bücher auf »whatchareadin« mit Amazon. Wäre es nicht sinnvoller für die Leser und Autoren, wenn auch andere Shops eingebunden wären? 

HP: Das stimmt und hat einen einfachen Grund. Amazon hat die beste Programmierschnittstelle. Damit war mit vergleichsweise wenig Aufwand am meisten in kurzer Zeit möglich.

Myra: Die Zahl der Tolino-Nutzer steigt kontinuierlich und nicht jeder nutzt das Amazon-eigene .mobi-Format.

HP: Auf Dauer wird es natürlich auch epub-Links geben. Ich habe die Datenbank so aufgesetzt, dass sich Bücher auch aus dem Automatismus nehmen und manuell pflegen lassen, also z.B. von den Verlagen selber. Da ist aus Zeitgründen leider nicht viel passiert.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Betrieb einer Internetplattform, insbesondere was die Moderation angeht, aufwendig ist – wie viel Zeit »opferst« Du für »whatchareadin«?

HP: Oh, sehr viel Zeit. Das ist im Grunde neben Essen, Schlafen und meinem Brotjob mit weitem Abstand meine Hauptbeschäftigung.



Wenn ich Dir kurz meine virtuelle Glaskugel reichen dürfte – wo siehst Du »whatchareadin« in einem Jahr? In fünf Jahren?

HP: Naja, jetzt steht die Seite nach wenigen Wochen bei 300 Usern bei ständigen Neuanmeldungen. Und dabei sind alle Optionen noch gar nicht freigeschaltet, die Leserunden mit den bekannteren Autoren laufen noch nicht und es gibt erst eine Kooperation mit einem Verlag. Deshalb denke ich, dass die Anmeldungen noch an Fahrt aufnehmen werden. Aber konkret: 3000 Registrierungen nächsten Mai. Und fünf Jahre sind in der Internet-Welt natürlich eine Ewigkeit. Ich weiß es nicht und rette mich mal in die Technik hinüber: das System ist nach oben im Grunde beliebig skalierbar und zwar innerhalb weniger Stunden. Die Auswahl hat lange gedauert, war mir aber wichtig. Es wäre schlimm, wenn die Plattform eigentlich laufen würde, aber man dann feststellt aufs falsche Pferd gesetzt zu haben und die Plattform durch Überlastung kollabiert. Die Systeme, auf denen WR basiert, laufen auf einigen US und UK Servern mit 20 Millionen Diskussionsbeiträgen und 220000 registrierten Benutzern stabil.
Ich kann also nur hoffen, dass die Seite in 5 Jahren nicht da drüber geht. Aber Spass beiseite: 15000 User plus x würde mich in 5 Jahren sehr freuen.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit »whatchareadin.de«!

Kurzinfo: Helmut Pöll, Jahrgang 1964, hat mit »whatchareadin« eine neue Leser- und Autorencommunity in den Ring geworfen. Die Plattform ging Anfang 2014 in die Testphase und wurde am 12. April 2014 der Öffentlichkeit präsentiert. Der Gründer, mit einer Ausbildung zum Tageszeitungsredakteur, arbeitet aktuell als Softwareentwickler und IT-Consultat.

Über den Verfasser: Sascha Bulazel ist weder Autor noch Journalist. Er gibt sich damit zufrieden, seine Frau Ilona bei ihrer Tätigkeit als Autorin zu unterstützen und die Klippen des Selfpublishings zu umschiffen.

Alle Abbildungen ©Helmut Pöll.

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