"Schießt nicht auf den Self Publisher"

Kaum hat das neue Jahr begonnen wird, so scheint es zumindest, das Feuer auf Self Publisher freigegeben. Erst gab der kurios-absurde Fall einer Copy/Paste "Schriftstellerin" und deren "Platzhalter" Anlass für einen Rundumschlag gegen Self Publisher, dann fühlten sich allerlei Möchtegerns plötzlich berufen mahnende Worte an die „Gemeinde der Self Publisher“ zu richten, enttäuschte Leser beklagten sich bitter über mangelnde Qualität selbstpublizierter Titel und eine gefrustete Lektorin zog so richtig vom Leder.

Ich merke, wie ich langsam ziemlich sauer werde. Erstens mag ich keine Verallgemeinerungen und zweitens sind SP keine organisierte Gruppe, die man locker en passant in einen Topf werfen kann. Wir sind Autoren die aus den unterschiedlichsten Himmelsrichtungen kommen, aus den unterschiedlichsten Gründen schreiben und die unterschiedlichsten Texte veröffentlichen. Die wenigstens kennen sich untereinander. Nun werden wir plötzlich in Sippenhaft genommen.
Das wäre einfach nur lächerlich, wenn es nicht auch gleichzeitig ziemlich unerfreulich wäre. Nicht weil ich persönlich befürchte, dadurch weniger Bücher zu verkaufen, sondern weil es bereits vorhandenen Vorurteilen neue Nahrung gibt.
Dem Gros der Leser dürfte dies alles ziemlich egal sein. In den sozialen Netzwerken schlagen solche Vorkommnisse jedoch ziemliche Wellen. Und das macht die Angelegenheit so unerfreulich. Denn für einen Self Publisher, der seine Bücher auch selbst vermarktet, sind die social networks sehr wichtig.

Die bisherige „Krönung“ kam jedoch am Sonntag. Da sorgte dann der Beitrag eines ungenannten Autors, der einen populären Literatur-Blog zierte, für erhebliche Irritationen.
Vollmundig hieß es da: „Selfpublisher spielen kaum noch eine Rolle“. Und dann kam es Schlag auf Schlag: „Schlechter Ruf der Selbstverleger schadet Amazon“ Amazon ist kein Wohlfahrtsverein für Selbstverleger“ und zu guter Letzt: „Amazon setzt auf Verlagskompetenz“.
Mir fiel als erstes auf, dass die Autorenzeile fehlt. Es ist zwar unten ein Absatz angehängt, in dem von „wir“ die Rede ist. Doch wer ist „wir“?
Zwei weitere Sachen ließen mich stutzig werden. Zum einen wird in dem Beitrag der Anschein erweckt, als würde über Fakten berichtet, zum anderen fehlen jedoch die Quellen. Woher bezog der Autor seine Informationen?
Hat Amazon also wirklich seine Geschäftspolitik geändert und will die SP loswerden? Oder ist dies nur ein weiteres Kapitel in Sachen Indie-Bashing?
Seit Sonntag habe ich versucht, von dem Blogbetreiber eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen, und seit gestern warte ich auf eine Stellungnahme bzw. Bestätigung von Amazon. Doch die Presseabteilung reagiert leider nicht auf meine schriftlichen und telefonischen Anfragen.
Ich könnte jetzt wild drauf los spekulieren, warum dieser Artikel geschrieben wurde und inwieweit er auf Fakten basiert, oder warum Amazon die dort aufgestellten Behauptungen nicht kommentiert, halte dies aber für wenig sinnvoll.

Allerdings habe ich mir eine Frage gestellt. Warum sollte Amazon eigentlich die Self Publisher loswerden wollen? Es sind doch gerade die Gratis-Aktionen der Select-Teilnehmer, die Tag für Tag tausende Kunden auf die Plattform spülen, die sich dann nicht nur ein Gratis-Buch laden, sondern gleich noch einen Einkauf dranhängen. Denn das die SP mit ihren Gratis- und Billigbüchern nur die kleinen Köder für die großen Fische sind, steht doch eigentlich außer Frage. Und je mehr kleine Köder es gibt, umso mehr Fische beißen an.
Außerdem dürften die zahlreichen Billig-Titel recht einträglich für den online-Händler sein. Schließlich ist es nicht der Autor der den Löwenanteil daran verdient. Und es wird immer genug Käufer geben, die mal eben auf die Schnelle einen Roman für 99 Cent abgreifen.

Was ist also mein Fazit zu diesem Blog-Beitrag? Solange ich keine vernünftige Erklärung geliefert bekomme, habe ich nur folgenden Satz: Unbewiesene Behauptungen sollte man dahin schicken, wohin sie gehören: ins Reich der Märchen.

Kommentare

Pat McCraw hat gesagt…
Yes Myra! *fausthoch*
Anonym hat gesagt…
Nicht zu vergessen, dass das Prime Buchverleih-Programm mangels Inhalten zumindest im deutschen Sprachraum ohne SPs so gut wie nicht vorhanden wäre.
Grüße, Boris Maggioni
Naut hat gesagt…
Seltsamer Artikel. Da er nicht namentlich gekennzeichnet ist, hatte ich zuerst auf Tischer selbst getippt, aber der ist ja ein Pionier im KDP-Bereich, daher ist das schon komisch. Auffällig auch, dass viele der Behauptungen im Text stimmen, bzw. vernünftig erscheinen, dann aber immer die reißerischen Zwischenüberschriften alles in ein anderes Licht rücken. Insgesamt riecht das nach einer Mischung aus Lobbyismus und Frustration.
Sandra-Maria Erdmann hat gesagt…
Ist 2013 nicht sowieso das Märchenjahr? Da kommen sicher noch einige solcher und anderer Geschichten von verknöcherten Zwergen, falschen Feen und nervösen Prinzen ans Tageslicht ...

LG Sandra-Maria
Myra Çakan hat gesagt…
... und hier kommt auch schon die nächste Salve: http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2013/01/14/wenn-die-crowd-mithilft.htm
Sandra-Maria Erdmann hat gesagt…
Diese Schlammschlacht ist echt zum K...
Myra Çakan hat gesagt…
Wie man vor einigen Tagen im Blog von Buchreport.de lesen konnte, ist Wolfgang Tischer selbst der der Verfasser des Beitrags auf Literaturcafe.de
Warum er dazu nicht auf seinem eigenen Blog Stellung nimmt, erschließt sich mir nicht. Aber die Aussage, es seien lediglich "Mutmaßungen" gewesen, finde nicht minder seltsam. Aber die Journalistin in mir hat eben einen anderen Anspruch an einen Text.
Wer sich selbst ein Bild machen will, hier ist der link: http://www.buchreport.de/blog.htm?p=2850#more-2850?no_cache=1?no_cache=
Anonym hat gesagt…
Da könnte was dran sein wenn man sowas liest:

http://www.amazon.de/gp/cdp/member-reviews/A2DYSGDG0FG8EZ/ref=cm_pdp_rev_more?ie=UTF8&sort_by=MostRecentReview#R20BCPUJR11QWR

LG
M.-L.
Myra Çakan hat gesagt…
Leserrezensionen öffentlich zu Diskutieren, scheint mir wenig sinnvoll zu sein - und schon gar nicht über die Kommentarfunktion auf Amazon.