lul.to, die 2te – die Antwort der Self Publisher

Am 25. Juni berichtete ich über die Schließung des illegalen Downloadportals lul.to
Was hat sich seitdem getan? Sehr viel!

In den einschlägigen Foren wird natürlich weiterhin wild spekuliert und über die Urheber gelästert, was nicht unerwartet ist.
Aber es ist auch Besorgnis zu spüren. Die Nutzer dieser illegalen Seite befürchten, dass ihre Daten gespeichert wurden und/oder dass man ihnen durch ihre Bezahlmethode, es wurden Amazon-Gutscheine verwendet, auf die Spur kommen kann. Gleichzeitig wird argumentiert, dass die betroffenen Self Publisher sowieso nichts unternehmen würden, denn dies hätten sie in der Vergangenheit auch nicht. Diese Annahme erweist sich jedoch als Irrtum.

Denn gestern beantwortete eine Presse-Meldung (Autor: Martin Stett) auf dem Blog des Rechtsanwalts Tilman Winterling genau diese Fragen der lul.to-Nutzer: Was tun die betroffenen Autoren?
Nun, das ist recht einfach zu beantworten: Sie wehren sich.

Zitat:
»Sechsunddreißig Autoren stellen Strafanzeige bei der  Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg gegen Unbekannt. Dieser bisher einmaliger Vorgang steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Sperrung der illegalen Seite lul.to.«

Des Weiteren ist dort zu lesen:
»Auf der illegalen Plattform wurden u.a. 160.000 deutschsprachige E-Books und 28.000 Hörbücher gegen Cent-Beträge zum Download angeboten. Darunter befanden sich nicht nur Verlagstitel, sondern eine beträchtliche Zahl stammte aus Publikationen, die im Eigenverlag veröffentlicht wurden.«

Bildquelle: pixabay.com
Was besonders den Zorn der Autoren weckte, ist der Umstand, dass die lul.to-Nutzer durchaus bereit waren, für das Angebot zu zahlen, allerdings nicht an die Urheber! Stattdessen bezahlten sie die Betreiber der illegalen Plattform. Dies wird von den betroffenen Self Publishern als besonders zynisch wahrgenommen.

Zitat aus der Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg:
»Den zahlreichen Autoren und Urheberrechtsinhabern entstand durch die strafbare Weiterverbreitung der Titel ein enormer Gesamtschaden, der erst nach Auswertung der tatsächlichen Downloads beziffert werden kann.«

Wie mir einige der betroffenen Autoren sagten, bietet der Take-down von lul.to nun die Chance, eine deutliche Botschaft an alle illegalen Downloader zu schicken: Nämlich, dass man sehr wohl bereit ist, etwas zu unternehmen und auch, dass etliche Nutzer damit rechnen müssen, Post vom Anwalt zu bekommen.
Immerhin wurden von den 36 Autoren über 600 Titel zum illegalen Download angeboten, dementsprechend hoch war die Motivation sich anwaltliche Unterstützung zu holen und Strafanzeige zu stellen.

Abschließend möchte ich noch sagen: Es wäre wirklich wünschenswert, dass weitere Self Publisher ebenfalls die Initiave ergreifen und endlich für ihre Rechte als Urheber eintreten.

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Kommentare

Mark hat gesagt…
"Was besonders den Zorn der Autoren weckte, ist der Umstand, dass die lul.to-Nutzer durchaus bereit waren, für das Angebot zu zahlen, allerdings nicht an die Urheber! Stattdessen bezahlten sie die Betreiber der illegalen Plattform. Dies wird von den betroffenen Self Publishern als besonders zynisch wahrgenommen.
"

Abgesehen davon, dass ich den Unmut oder Zorn der Autoren verstehe, ist mir das besagte Zitat zu unüberlegt.

Der Umstand, dass die User bereit sind einer illegalen Plattform Geld für die Inhalte zu bezahlen ist an und für sich positiv, zeigt es doch, dass es einen Markt für die Produkte/Bücher gibt.

Nun ist der konstruktive Gedanke doch eher dieser: "Warum bezahlt der Kunde die illegalen Inhalte, aber nicht mich als Urheber?

Preis zu hoch?
Kunde findet mich nicht, wohl aber auf der illegalen Plattform (warum?)
Handhabung (Kopierschutz, Downloadvorgang, Bezahlvorgang?)

Ich finde die Diskussion immer aus folgenden Gründen schwierig:
Wer kein (nicht genügend) Geld hat, der konsumiert kostenlos oder günstig, würde aber nicht zum Vollpreis (zB 25 Euro pro gebundenem Buch) kaufen. Einem arbeitslosen, der 20 25 Euro Bücher pro Monat kostenlos illegal herunterlädt wird wohl kaum jemand 500 Euro monatlichen entgangenen Umsatz "vorwerfen" wollen. Diese Summe ist nicht im Budget und fliesst im Falle der Abwesenheit der illegalen Plattformen garantiert NICHT an die Autoren. Im Normalfall (ohne illegale Plattform) hätte besagter arbeitsloser kein einziges Buch gekauft und wahrscheinlich die erhältlichen Bestseller in der örtlichen Bibliothek entliehen.

In meiner Jugendzeit war es üblich, per Kassettenrekorder die Tophits im Radio mitzuschneiden (was über eine Tonträgergebühr querfinanziert wurde, mir zu dem damaligen Zeitpunkt aber nicht bewusst war und mich auch nicht interessiert hätte). Zu unterstellen, ich hätte alle Singles gekauft, die ich auf Kassette aufgenommen habe, wenn das Mitschschneiden nicht möglich gewesen wäre ist utopisch und zwar nicht, weil ich den Künstler hätte mutwillig schädigen wollen, sondern einfach, weil die Kaufkraft nicht vorgelegen hat.

Meine These ist folgende:
Die überwigende Mehrzahl illegaler Downloader hätte nie ein Buch finanziell erworben.
Diejenigen, die auf einer illegalen Plattform Geld bezahlen, würden dieses natürlich auch an den Autoren bezahlen, die Frage ist nur, warum und wo der Kunde dem/den Autoren verloren geht?

Eine Frage, die mich im übrigen wirklich interessiert:
Wie wird einem Autor eine Leihe in der Bibiothek vergütet?
Denn ich sehe nicht wirklich einen grossen Unterschied zwischen 100 Leuten, die für 15 Euro im Jahr unlimitiert Bücher in der Bibliothek lesen oder denselben 100 Leuten, die Bücher illegal downloaden.
Sowohl die Bibliothek oder der Pirat kaufen zumindest ein Buch, welches dann verliehen oder verbreitet wird.

Ich habe in den 80er Jahren nie die Diskussion erlebt, dass zB Stephen King damit gedroht hat, sein Scheiben aufzugeben, weil Millionen Leser sein Buch in der Bibliothek ausgeliehen haben, ohne das Werk (danach) zu kaufen.

Eine weitere Umfrage unter den Selfpublishing Autoren, die mich interessieren würde:

"Seit lul.to geschlossen wurde, sind ihre Umsätze merklich gestiegen?"

Mit freundichen Grüßen
Mark
Bettina Betty Kiraly Kay hat gesagt…
Hallo Marc, natürlich würden die Nutzer dieser Seiten nicht alle downgeloadete Bücher zum regulären Preis kaufen. Sie würden den Wert der Bücher aber anders einschätzen, wenn sie sie nicht gratis oder günstiger erhalten würden. Bei deinem Kommentar klingt die Forderung mit, Autoren sollten ihre Preise überdenken. Das halte ich für den falschen Weg. Auch geistige Arbeit hat ihren Wert. Sich für vernünftige Preise rechtfertigen zu müssen, ist für mich bedenklich.
Kooky Rooster hat gesagt…
@Marc
wer sich etwas nicht leisten kann, der kann es eben nicht konsumieren.

Würdest DU auf dein Gehalt verzichten, weil die Leute, die deine Dienste beanspruchen, nicht liquid sind? Noch besser: wie würdest du dich fühlen, wenn irgendein Taschendieb das Geld einstecken würde, das DU erarbeitet hast?

Auch Autoren müssen Leistungen bezahlen, von Miete über Energie bis Sozialversicherungen und den täglichen Bedarf. Was, wenn diese Autoren deine Kunden wären? Wäre es für dich okay, wenn sie dich für deine Leistung nicht bezahlen, weil die Leute ihr Bücher zwar lesen, aber dafür nicht zahlen wollen? Würdest du mehr Steuern zahlen, damit der Staat Autoren das Leben finanzieren kann und du deine Gratisbücher kriegst?

Gerade Selfpublisher bieten ihre Werke ohnehin viel zu billig an. Viele Bücher kosten nur 99 Cent. Der Großteil 2,99. Mir ist klar, dass jemandem ein Verlagsbuch für 25,- oder 30,- zu teuer ist, das ist es mir auch. Aber dann warte ich eben ab, bis es billiger zu haben ist. Erfahrungsgemäß dauert das ein- bis eineinhalb Jahre.

Ich kann sogar irgendwie die Kritik am Verlagswesen verstehen. Dass manche meinen, den Großteil des Geldes, das sie zahlen, lande nicht beim Künstler. Aber gerade Selfpublisher nutzen dieses aufgeblasene Verlagswesen nicht. Daher können sie die Bücher auch so billig verkaufen. Wer deren Bücher stielt, bestielt daher direkt die Autoren.

So lange es kein BGE gibt, müssen auch Künstler ihre Leistungen verkaufen, oder, wenn ihr Werk gestohlen wird oder gratis/saubillig sein soll, Sozialleistungen beantragen.

Es ist ein Scheinargument, dass die Bücher von Selfpublishern so versteckt wären, dass sie keiner findet. Viele der Autoren vermarkten ihre Bücher auf über 60 Plattformen. Wenn die Website von Lul tatsächlich marketingtechnisch um so vieles besser programmiert war als Amazon, Thalia, Google, Apple und dutzende andere Shops zusammen, dann würden die Betreiber das zigfache auf legale Art verdienen, indem sie ihre genialen Codes verkaufen.

DU magst keinen Unterschied sehen, zwischen einer Leihe und einem Raub. Der Unterschied für den Autor (also dem, dessen Leistung du gerne beanspruchst) ist der, dass er für eine Leihe Geld bekommt (wenn auch nicht viel), für einen Diebstahl aber keinen Cent. Ist es für dich dasselbe, ob dein Chef dich gar nicht bezahlt, oder nur gering?

Wenn ich in den 80ern meinem Nachbarn auf den Kopf haue, und der haut nicht zurück, weil er Besseres zu tun hat, als sich mit mir niveaulosem Fliegenfurz zu beschäftigen, darf ich dann allen anderen auf den Kopf hauen und erstaunt sein, wenn mal einer zurückhaut?

Schreiben erfordert verdammt viel Zeit und Energie. Wenn die Autoren diese nicht mehr zur Verfügung haben, weil sie einen Brotjob machen müssen, fehlt diese Zeit und Energie beim Erschaffen weiterer Geschichten. Der Output verringert sich drastisch und ein Stephen King hätte vielleicht kein so monumentales Werk geschaffen, sondern nur vier Bücher auf den Markt gebracht. Frag mal Fans, was sie dazu sagen würden.

Die Sache ist halt die: worin du nicht bereit bist, zu investieren, das wird es nicht mehr geben. Dann können Plattformen wie Lul einen schönen Code auf einer blanken Seite präsentieren. Denn, und das ist ja wohl klar: ohne die Autoren, die hier beklaut werden, gäbe es keine Plattformen wie lul. Sie sind von Autoren so abhängig wie Parasiten. Sie SIND Parasiten.
Tina Tannwald hat gesagt…
Da ich Selfpublisherin bin, die ihren Lebenunterhalt mit dem Schreiben von Romanen verdient und zumindest bisher sogar ganz gut davon leben kann, möchte ich Marcs Post dann doch einige Fakten entgegenhalten, die dem Autor offenbar nicht bekannt sind.

Die Positivunterstellung, auf der illegalen Plattform hätten sich Menschen mit wenig Geld Literatur besorgt, ist haltlos, denn es gibt keinen Beleg dafür.

Selffpublisher-Autoren sind dort zu finden, wo alle Autoren zu finden sind, in den Ebook-Shops. Man muss sie dort auch nicht suchen, denn i.d.R. wählt man ein Buch nach Geschmack und/ oder Preis aus, nicht nach Art der Veröffentlichung.

Die allermeisten Selfpublusher bieten ihre Neuerscheinungen zu sehr niedrigen Einführungspreisen an, meist 99 Cent. Der reguläre Preis liegt später zwischen 1,99 Euro bis maximal 3,99 Euro. Viele Werke bleiben jedoch im Niedrigpreisbereich von 99 Cent oder 1,49 Euro.
Mann kann es auch polemisch auszudrücken - es gibt jede Menge Literatur von Selfpublishern, die weniger kostet, als ein Hamburger oder eine Schachtel Zigaretten. Ein Autor verdient durchschnittlich 30% an jedem verkauften Ebook, bei einem Preis von 99 Cent also ca.34 Cent.
Darüber hinaus gibt es beim größten Online-Anbieter von Ebooks eine Unmenge an Büchern von Selfpublishern, die kostenlos angeboten werden.

Der Unterschied zwischen einer illgealen Downloadplattform und einem Bibiotheksdienst ist nicht nur die Tatsache, dass man fremdes Eigentum benutzt, um sich zu bereichern, sondern eine Haltung:
Der Eigentümer einer kostenpflichtigen Ware hat Anspruch auf Bezahlung, wenn er sie anderen leihweise überlässt - auch wenn es nur ein paar Cent sind.
Die Haltung, sich auf einer illegalen Downloadseite zu besorgen, was man haben möchte, ist dagegen sehr schlicht: der persönliche Vorteil ist mehr wert, als der persönliche Nachteil anderer, egal, wie preiswert man die Ware auf legalem Weg kaufen könnte.