Das Geheimnis der verschwunden Bücher: Keine Zeit für die Liebe

Am 14. Februar berichtete ich über das wundersame Verschwinden mehrerer eBooks und Taschenbücher der ehemals sehr erfolgreichen Self Publisherin Katja Piel.
Piel hatte vier Wochen vor dieser Löschaktion von sich reden gemacht, als sie des Plagiierens überführt worden war und die wohl dämlichste Ausrede aller Zeiten ins Feld führte (nachzulesen hier).
Schon damals geriet der Kurzroman "Keine Zeit für die Liebe" bei einigen Autoren ins Visier. Der Kurztext erinnerte einfach zu sehr an die gängigen Teenager-Heftromane aus den 80er und 90er Jahren. Die Löschung dieses Titels befeuerte diese Vermutung natürlich und so wundert es nicht, dass nach Beweisen gesucht wurde, ob tatsächlich noch ein Plagiat vorlag. Die Suche gestaltete sich jedoch erstaunlich schwierig.
Doch gestern brachte ein Link zu einer Webseite, der mich via PN erreichte, den entscheidenden Hinweis. Der Absender, ich nenne ihn hier mal A-Hörnchen, hatte ebenfalls schon länger vergeblich gesucht. Genauso wie B-Hörnchen und ich auch. B-Hörnchen ist übrigens ebenfalls in Besitz des eBooks und hatte mir gesagt, es ginge "um einen Geist". Dieser Umstand war A-Hörnchen und mir neu gewesen, da wir bisher nur nach passenden Klappentexten gesucht hatten.
Der Link entpuppte sich als wahre Goldgrube, denn auf dieser Webseite befanden sich sehr viele Kurztexte zu US-amerikanischen Heftromanen.
Beim flüchtigen Durchscrollen blieb mein Blick an dieser  Synopsis hängen, die die Grundlage für die weitere Suche bildete:

113. Season of Mist – Doreen Owens Malek – 1984 – What was the mystery that surround Tom like the autumn mists? How could Cory love a boy whose lips told her he loved her but whose eyes held secrets.

Während ich A- und B-Hörnchen von meiner Vermutung informierte suchte ich weiter und stieß auf diese Kurzrezension:

Damit war klar, dass wir auf einer sehr heißen Spur waren. Es gab den Geist und es gab eine Protagonistin mit einem sehr, sehr ähnlichen Vornamen. Und schon kam das nächste Puzzleteil von A-Hörnchen: Der Titel war 2012 erneut veröffentlicht wurden und es gab "Blick ins Buch".
Ich suchte einen eher einfachen Halbsatz heraus, übersetzte ihn und glich ihn mit dem eBook von Piel ab. Treffer!



Als nächster Schritt folgte das übliche Prozedere, mit dem ein Plagiat bewiesen wird: Der Abgleich beider Texte. War diese Übereinstimmung nur Zufall, oder gab es mehr und eindeutigere Beweise?
Jetzt war B-Hörnchens scharfer Blick gefragt und nur kurz darauf trafen im Facebookchat die "Beweisfotos" ein, von denen ich jetzt einfach mal einige für sich sprechen lasse.



Inzwischen wurde Doreen Owens Malek, die Autorin des Originals, benachrichtigt. Wir hoffen, dass sie sich melden wird und werden sie gerne dabei unterstützen, zu ihrem Recht zu kommen. Wie ich ihrer Biographie entnehmen konnte, studierte sie Jura. Somit dürfte ihr Urheberrecht nicht fremd sein.

Eine mögliche deutsche Vorlage, die in der Reihe "Happy Denise" erschienen ist, wurde von B-Hörnchen gefunden. Der Titel lautet "Wir haben nicht viel Zeit" und es handelt sich um Band 4/88. Sollte jemand diesen Roman auf dem Dachboden haben, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme freuen.
edit: Wie haben inzwischen das betreffenden Heft gefunden. Vielen Dank an alle, die uns deswegen kontaktiert haben! 
Heute hat uns noch eine aufmerksame und hilfsbereite Leserin einige Scans der dt. Ausgabe geschickt. Vielen Dank!

©Cora-Verlag
©Cora-Verlag



















©Cora-Verlag
Was Katja Piel betrifft. Die Autorin hat kürzlich ihre Coffee-to-Go-Reihe wieder bei Amazon hochgeladen und auch einen neuen Tiel veröffentlicht. Ich denke, ihr ist bewusst, dass nach diesem Fall ihre anderen Veröffentlichungen einer genauen Überprüfung unterzogen werden. Sie wäre gut beraten, endlich reinen Tisch zu machen, denn so gut, wie sie denkt, hat sie ihre Spuren nicht verwischt.

Kommentare

Michael Nero hat gesagt…
Respekt! Detektivarbeit, die ich ausdrücklich unterstütze. Von Plagiaten (und erst recht bescheuerten Ausreden) halte ich nämlich gar nix, also: Weiter so!
Markus Kohler hat gesagt…
Super Recherche ! Hut ab! und endlich Schluss mit diesen Plagiaten
Pat McCraw hat gesagt…
Gut gemacht, Myra. Gute Arbeit. Auch wenn die Leser das wahrscheinlich wieder mal nicht die Bohne kümmert und sie "ihre Katja" weiterhin kaufen.
buchkauz hat gesagt…
Wow, nach diesen Beispielen kann man ja nur von Vorsatz sprechen. Bewusstes bearbeiten eines fremden Textes. Sehr enttäuschend, aber tolle Detektivarbeit. Fans wird es nicht stören, solange sie sich unterhalten fühlen. Mir fehlen da die Worte.

LG
Buchkauz
Anja hat gesagt…
Huhu Pat, mich interessiert es sehr!Das geht sogar soweit, das ich die gekauften Ebooks von Ihr von meinem Reader gelöscht habe. Ich bin so enttäuscht über das ganze, das ich selbst die Bücher die noch nicht unter Plagiatsverdacht stehen, nicht mehr lesen möchte. Sie hat uns Leser so richtig hinters Licht geführt, da gibt es keine Entschuldigung für. Und ich denke, so geht es nicht nur mir! Liebe Grüße, Anja.
Myra Çakan hat gesagt…
Hallo Anja, könntest Du Dich bitte bei mir melden? Du erreichst mich entweder über Facebook-PN oder über info (ät) dardariee.de
Beste Grüße
Myra