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Tipps vom "eBookBoss" - Interview mit Johannes Zum Winkel

Self Publishern brauche ich Johannes Zum Winkel sicher nicht weiter vorzustellen. Daher kommt hier ohne weitere Präliminarien das Interview, welches ich gestern mit ihm führte. 
Hallo Johannes, wenn es um den Verkauf und das Vermarkten von eBooks geht, kommt man als Self Publisher um Deine xtme-Seiten  eigentlich nicht herum, wenn man mit seinem Titel Sichtbarkeit auf Amazon erreichen will.


Was natürlich in diesem Zusammenhang wichtig ist, sind drei Faktoren: Cover, Kurzbeschreibung und der richtige Preis. Das sind die Dinge, die ein potentieller Käufer zuerst sieht.

Du gibst nun Self Publishern seit kurzem auf Deinem neuen Blog – eBookBoss- Tipps zu genau diesen Themen.
Woher kam die Idee dazu und wie ist die Resonanz?

Ich führe täglich per Mail, Facebook oder Telefon Beratungsgespräche mit Autoren. Die Artikel auf eBookBoss sind aus meinen Notizen entstanden und sollen die wichtigsten Fragen zum Marketing und zur Präsentation von eBooks abdecken.

Den Anfang hat der „Klappentext Generator“ gemacht. Ich brauchte ein Tool, mit dem ein Autor strukturiert eine Kurzbeschreibung seines Buches erstellen kann.

Die Website ist jetzt seit 14 Tagen online; über 3.000 Besucher waren schon da. Ich habe auch mutig ein „Sternchen“-Bewertungssystem eingefügt, mit dem jeder meine Artikel mit einem bis fünf Sternen bewerten kann. Bis heute (30.7.2014) sind insgesamt 90 Bewertungen eingegangen – mit einem Durchschnitt von 4,89 Sternen. Das freut mich natürlich!

Um Deine Vorschläge auch umzusetzen, muss ja erst einmal die Erkenntnis da sein, dass das eigene Buch verbesserungswürdig ist.
Bei Covern stelle ich mir das extrem schwierig vor, denn nicht jeder hat den Blick dafür, welcher Font passend ist, oder wie welches Motiv anzuordnen- und zu bearbeiten ist.
Welche Tipps hast Du da für Self Publisher, unabhängig von Deinen Tutorials?

Der erste und wichtigste Tipp: der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Nicht der Autor soll sein Buch kaufen, sondern der Leser dort draußen!
Der zweitwichtigste Tipp: auf dem Cover muss ein Element vorhanden sein, das auffällig ist, dem Genre des Buches entspricht – UND bei der Briefmarkendarstellung bei „Kunden kauften auch“ klar erkennbar ist und möglichst hervorsticht.
Drittens: Grundsätzlich würde ich als „Indiedesigner“ einen Blick auf die erfolgreichsten Bücher meines Genres werfen; und auch immer mal wieder eine Buchhandlung aufsuchen und schauen, wie „die Großen“ es machen. Ein bisschen „Mimikri“ kann nicht schaden und hebt den gefühlten Wert eines Buches!
Und zuletzt: Nie die im Computer vorinstallierten Schriften verwenden; die sind sehr „verbraucht“ und auch nicht für Designarbeit entworfen.


Kurztexte zu schreiben, besonders wenn es sich um den eigenen Roman handelt, ist Schwerstarbeit. Ich habe ja in meinem Self Publishing Ratgeber Mein Buch! auch einige Tipps dazu gegeben.
In Facebook-Gruppen gibt es dazu auch immer wieder Diskussionen.
Was sind Deiner Meinung nach die größten Fehler beim Verfassen eines Kurztextes und wie kann man sie vermeiden?

Die schlimmsten Klappentextfehler:

1) Rechtschreibfehler im Klappentext. Die kann man vermeiden, indem man den Text mit Rechtschreibkontrolle im Textprogramm schreibt, ausdruckt, sich selbst laut vorliest und auch mal eine Nacht liegen lässt. Dann per „Copy & Paste“ in KDP kopieren.

2) Nonchalante „du kannst mich mal“ Klappentexte von der Sorte: „Lesen Sie selbst!“, „Mein erster Roman, über gute Rezensionen freue ich mich“ oder „Ein spannender Horrorthriller“

3) Glatte Lügen: „Ein Liebesroman voll geballter Romantik und Seelentiefe“ – mit 17 Seiten Umfang.

4) Verwirrende Einstiege mit vielen Namen, Orten und verwickelten Verwandtschaftsverhältnissen. Der Kurztext soll nicht in extrem konzentrierter Form die Geschichte erzählen, sondern dem Leser Lust aufs Buch machen!

Die letzten drei Fehler kann man vermeiden, wenn man meinen Generator nutzt :-)

Der „richtige“ Preis. Preisverfall bei SP-Büchern steht ja immer wieder im Raum. Es prallen kaufmännische und künstlerische Interessen aufeinander.
Bei Deinem Preiskalkulator fällt mir angenehm auf, dass Du durchaus dafür eintrittst, dass SP-Bücher zu einem reellen Preis verkauft werden, also raus aus der 99 Cent-Ecke.
Was ist Dein Eindruck, werden höhere Preise von den Lesern auch angenommen? Und sollten selbstverlegte Bücher, auch wenn es sich um ein professionelle aufgemachtes eBook handelt (Cover, Lektorat etc.), grundsätzlich erheblich billiger als Verlagsbücher sein?

Ein Leser zahlt auch gerne ein paar Euro mehr – wenn er überzeugt ist, dass ein Buch ihm ein tolles Lesererlebnis oder einen wertvollen Erkenntnisgewinn vermittelt.
Umgekehrt gesagt: es nutzt nichts, ein Buch auf 99 Cent zu setzen, wenn es in den Augen des potentiellen Käufers nicht wertig wirkt. Ich merke auch bei den Gratisbüchern, dass die Leser immer wählerischer werden. Denn es geht nicht um ein paar Euro hin oder her. Es geht um die wertvolle Lesezeit der Menschen!
Allerdings gibt es sicher eine Schmerzgrenze; schließlich bekommt man als eBook ja nur eine elektronische Datei mit Leselizenz. Also sind die Mondpreise mancher Verlage jenseits der 15 € letztendlich eine tolle Chance für Indie Autoren, in die Aufmerksamkeit der Leser zu gelangen.



Wie kritisch sind die Leser? Sind sie nach drei Jahren KDP noch gewillt, fehlerhafte Bücher (also unlektoriert und schlampig formatiert) hinzunehmen?

Das, Myra, waren die Leser noch nie. Auch bei richtig guten Geschichten kann ein Konvertierungsfehler oder auffällige Flüchtigkeitsfehler zu harten Rezensions-Abstrafungen führen. Und Rezensionen sind für die Kaufrate absolut ausschlaggebend.

Ergänzend zu meiner vorherigen Frage:
Gratis-Aktionen haben scheints seit einiger Zeit nicht mehr den Erfolg wie z.B. noch vor einem Jahr. Du setzt ja ganz bewusst auf Preis-Aktionen. Doch wenn man seinen Titel nicht dauerhaft bei 99 Cent lassen will, kommt unweigerlich der Absturz, wenn man den Preis anhebt – wobei die Bücher ja nicht zwangsläufig im Ranking ins Bodenlose fallen müssen.
Ich beobachte aber öfter, dass diese Bücher von den Autoren erst im Preis hoch, dann wieder runter und dann wieder hoch … usw.
Das scheint mir keine kluge Marketing-Strategie zu sein.

Gratisaktionen können immer noch sehr erfolgreich sein, wie M.C. Poets mit „Berechnung“ gerade wieder bewiesen hat. Aber es haben nur sehr gute Bücher eine Chance, mit Gratisaktionen anschließend auch gut zu verkaufen – es muss viele echte 5-Stern Rezensionen regnen. Wenn die Leser begeistert sind, dann kann so ein verschenktes Produkt sehr wohl Fahrt aufnehmen!

Je mehr Exemplare ein Buch im Shop verkauft, desto sichtbarer wird es für den Kunden. Nicht nur über die Bestenlisten, sondern auch über „Kunden kauften auch“ und die Beliebtheitsrankings.
Es handelt sich also um eine selbsterfüllende Prophezeiung: wer mehr verkauft, wird mit mehr Sichtbarkeit belohnt und verkauft deshalb noch mehr.

Das funktioniert nur längerfristig. Nehmen wir als Beispiel die „Kindle Wochendeals“ der Verlage. Alle diese „Chartstürmer“ fallen sofort wieder aus den Rankings, wenn die Wochenaktion vorbei ist.
Wenn es einem Autor gelingt, mit einer mehrmaligen Preisanpassung für längere Zeit in einer Top-Position zu bleiben, dann erhöht er seine Sichtbarkeit dauerhaft – wir alle kennen Beispiele von Indie Autoren die wochenlang, wenn nicht Monate in den Top 10 stehen.

Was würdest Du diesen Autoren raten? Mir fällt da nur spontan: ruhig Blut bewahren und das nächste Buch schreiben ein. Gibt es noch einen Trick?

Macht es wie Hanni Münzer: antwortet auf jede Rezension, nehmt jede Leserreaktion ernst und verbessert euer Buch stetig. KDP erlaubt es jederzeit, eine korrigierte Buchdatei hochzuladen!

Wird die Reihe auf dem Blog fortgesetzt werden und zu welchen Themen kann man von Dir noch Beiträge erwarten?

Sicher werden da noch Artikel kommen. Alles, was den Bereich Buchpräsentation und Marketing angeht.

Abschließend noch ein kurzer Blick in die Kristallkugel: seit kurzem gibt es für Kindle-Nutzer eine eBook-Flatrate.
Wie können Self Publisher davon profitieren und wo siehst Du das Self Publishing generell in den nächsten ein, zwei Jahren? Wird sich z.B. noch immer alles auf Amazon zentrieren?

Wenn die „Tolino Allianz“ nicht in die Puschen kommt, wird Amazon den eBookmarkt weiter und verstärkt dominieren. Bisher gehen alle Neuerungen und Antriebe von Mr. Bezos aus, die anderen reagieren zeitverzögert, wenn überhaupt.
Die Flatrate wird kommen – und da wird noch mehr die Qualität, das Design und die Präsentation eines Buches über den Erfolg entscheiden.
Auch wird Amazon selbst seine Verlagsaktivitäten verstärken und vermehrt eigene Produkte im Shop gut präsentieren.
Das Wichtigste, was ich Self-Publishern mitgeben will, ist: bleibt unabhängig.

Vielen Dank für das Gespräch -  ©Images: EbookBoss

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